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"Dunkel lockende Welt"
Theater / Musical
Theater / Musical

"Dunkel lockende Welt"

BESCHREIBUNG

Joachim: Später war sie unterkühlt.

Corinna: es ging zurück.

Joachim: es gingt zurück, sie wurde schwach,

Corinna: und schwächer.

Joachim: ja, sie hat ja kalt geschwitzt.

Corinna: Man müsste ein finnisches Eidechslein sein,

Joachim: was meinen Sie, damit,

Corinna: ein Eidechslein in den finnischen Bergen.

Joachim: aha


Eins: Leipzig. Die junge Ärztin Corinna zieht aus. Sie wird nach Peru reisen, ihrem Freund hinterher. Bei der Wohnungsübergabe verwickelt sie ihr Vermieter Joachim ins Gespräch. Bis sein Auge auf einen seltsamen Gegenstand fällt: Ein menschlicher kleiner Zeh liegt in der Ecke.

Zwei: München, die Wohnung von Corinnas Mutter Mechtild. Hierher, statt nach Peru, ist Corinna gereist. In Mechtilds Monologe hinein bittet Corinna sie, den Zeh zu holen, das Einzige, das sie noch an Leipzig bindet.

Drei: Leipzig, Baustelle. Joachims Haus versinkt im Schutt. Auf einem improvisierten Deckenlager unter dem Oberlicht nähern sich Mechtild und Joachim einander an, führen das Gespräch fort, das Corinnas Abreise unterbrach. In der Ecke erbricht die Katze einen kleinen Knochen.

Das eigenwillige Stück von Klaus Händl, einem der wenigen relevanten, zeitgenössischen Tiroler Autoren, ist irgendwo zwischen einer angedeuteten Kriminalgeschichte, einem Familienstück und einem Beziehungsdrama angesiedelt. Die Geschichte bleibt bis zuletzt bewusst rätselhaft und ist dabei oft absurd komisch. Das existenzialistische Gefühl des „In-die-Welt-Geworfen-Seins“ wird in Dunkel lockende Welt mit slapstickhafter Komik, sprachlicher Gehetztheit und zahllosen Beziehungsfallstricken aus angenommenen Wahrheiten und Lügengeschichten kombiniert. So wird nicht nur das Sein an sich, sondern das Sein als soziales Wesen ad absurdum geführt.

Die Figuren verstricken sich in Lügen und die wenigen Indizien, was denn nun tatsächlich passiert ist, erschließt sich dem Publikum nicht als kohärente Geschichte. Was wahr, was Lüge ist, bleibt offen – und ist am Ende auch nicht so wichtig. Viel mehr wirft das Stück die Zuschauer*innen auf sich selbst und ihre Rezeptionsgewohnheiten zurück, die sich damit ihre eigene Geschichte zurecht spinnen.

Besonderes Gewicht legt Händl auf die Figuren- und Dramensprache und ihre Grenzen. Zeit und Raum lösen sich in dem Stück weitgehend auf, sind nur lose Anhaltspunkte. Die heimlichen Hauptdarsteller des Stückes sind die Gespräche zwischen den Figuren, die um die unergründlichen und unheimlichen Seiten des Lebens kreisen, nur um kurz darauf wieder auf alltägliche Banalitäten und nutzloses Wissen abzudriften. Die Figuren unterbrechen, ergänzen, kommentieren sich ständig und kommen von einem Thema nur durch ein einzelnes Wort zu einem komplett anderen. So verstärkt sich der Eindruck, dass hier nicht Figuren sprechen, sondern die Sprache sich selbst erzählt. In Dunkel lockende Welt sind nicht die Tatsachen das Entscheidende, sondern die ewig strömende Sprache, durch die erst Wirklichkeit entsteht, nicht umgekehrt.


MIT Elke Hartmann, Elena-Maria Knapp & Stephan Lewetz

REGIE Fabian Kametz

AUSSTATTUNG Veronika Stemberger

PRODUKTIONSLEITUNG Julia Jenewein

PRESSE Michaela Senn

TECHNIK Marco Friedrich Trenkwalder, Lukas vom Hofe, Elias Howard

VERLAG Rohwolt Theater Verlag

Uhrzeit

Beginn: 30.10.2020 19:00 Uhr

VERANSTALTUNGSORT

Theater praesent
Jahnstraße 25, 6020 Innsbruck
in Google Maps anzeigen

Tickets & Preise

RESERVIERUNGEN www.theater-praesent.at EINTRITT €12 oder €16 oder €20 – nach eigenem Ermessen

BESCHREIBUNG

Joachim: Später war sie unterkühlt.

Corinna: es ging zurück.

Joachim: es gingt zurück, sie wurde schwach,

Corinna: und schwächer.

Joachim: ja, sie hat ja kalt geschwitzt.

Corinna: Man müsste ein finnisches Eidechslein sein,

Joachim: was meinen Sie, damit,

Corinna: ein Eidechslein in den finnischen Bergen.

Joachim: aha


Eins: Leipzig. Die junge Ärztin Corinna zieht aus. Sie wird nach Peru reisen, ihrem Freund hinterher. Bei der Wohnungsübergabe verwickelt sie ihr Vermieter Joachim ins Gespräch. Bis sein Auge auf einen seltsamen Gegenstand fällt: Ein menschlicher kleiner Zeh liegt in der Ecke.

Zwei: München, die Wohnung von Corinnas Mutter Mechtild. Hierher, statt nach Peru, ist Corinna gereist. In Mechtilds Monologe hinein bittet Corinna sie, den Zeh zu holen, das Einzige, das sie noch an Leipzig bindet.

Drei: Leipzig, Baustelle. Joachims Haus versinkt im Schutt. Auf einem improvisierten Deckenlager unter dem Oberlicht nähern sich Mechtild und Joachim einander an, führen das Gespräch fort, das Corinnas Abreise unterbrach. In der Ecke erbricht die Katze einen kleinen Knochen.

Das eigenwillige Stück von Klaus Händl, einem der wenigen relevanten, zeitgenössischen Tiroler Autoren, ist irgendwo zwischen einer angedeuteten Kriminalgeschichte, einem Familienstück und einem Beziehungsdrama angesiedelt. Die Geschichte bleibt bis zuletzt bewusst rätselhaft und ist dabei oft absurd komisch. Das existenzialistische Gefühl des „In-die-Welt-Geworfen-Seins“ wird in Dunkel lockende Welt mit slapstickhafter Komik, sprachlicher Gehetztheit und zahllosen Beziehungsfallstricken aus angenommenen Wahrheiten und Lügengeschichten kombiniert. So wird nicht nur das Sein an sich, sondern das Sein als soziales Wesen ad absurdum geführt.

Die Figuren verstricken sich in Lügen und die wenigen Indizien, was denn nun tatsächlich passiert ist, erschließt sich dem Publikum nicht als kohärente Geschichte. Was wahr, was Lüge ist, bleibt offen – und ist am Ende auch nicht so wichtig. Viel mehr wirft das Stück die Zuschauer*innen auf sich selbst und ihre Rezeptionsgewohnheiten zurück, die sich damit ihre eigene Geschichte zurecht spinnen.

Besonderes Gewicht legt Händl auf die Figuren- und Dramensprache und ihre Grenzen. Zeit und Raum lösen sich in dem Stück weitgehend auf, sind nur lose Anhaltspunkte. Die heimlichen Hauptdarsteller des Stückes sind die Gespräche zwischen den Figuren, die um die unergründlichen und unheimlichen Seiten des Lebens kreisen, nur um kurz darauf wieder auf alltägliche Banalitäten und nutzloses Wissen abzudriften. Die Figuren unterbrechen, ergänzen, kommentieren sich ständig und kommen von einem Thema nur durch ein einzelnes Wort zu einem komplett anderen. So verstärkt sich der Eindruck, dass hier nicht Figuren sprechen, sondern die Sprache sich selbst erzählt. In Dunkel lockende Welt sind nicht die Tatsachen das Entscheidende, sondern die ewig strömende Sprache, durch die erst Wirklichkeit entsteht, nicht umgekehrt.


MIT Elke Hartmann, Elena-Maria Knapp & Stephan Lewetz

REGIE Fabian Kametz

AUSSTATTUNG Veronika Stemberger

PRODUKTIONSLEITUNG Julia Jenewein

PRESSE Michaela Senn

TECHNIK Marco Friedrich Trenkwalder, Lukas vom Hofe, Elias Howard

VERLAG Rohwolt Theater Verlag