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Klangspuren 2024 - Nadar Ensemble
Klassik
Klassik

Klangspuren 2024 - Nadar Ensemble

BESCHREIBUNG

NADAR ENSEMBLE
I ́ll Be Back, ÖEA
Musik von Johann Sebastian Bach und Werke von Eva Reiter, Simon Steen-Andersen, Niko D. Schroeder und Joanna Bailie.

Mit „I’ll Be Back“ entwickelt das belgische Ensemble mit dem Pianisten Anthony Romaniuk eine Schnitt- und Trennfläche von einer Klangsprache der Gegenwart hin zur Alten Musik.

“Du bist ein Museumsstück geworden“, schreibt die niederländische Musikphilosophin Marlies de Munck 2019 in einem Brief an „Herrn Bach“, an „Johann“: „Ein Stück, das schön klingt, aber mit dem man nur schwer reden kann. Bitte nicht anfassen.“ Nun instrumentalisiert der ultranationalistische niederländische Politiker Thierry Baudet die Musik Bachs für seine konservative Botschaft: „Er gibt sich als Ihr Retter und als der unserer gesamten Kultur aus. (…) Sie haben keine Stimme mehr, um dagegen zu protestieren, das weiß der Mann sehr gut“, so de Munck. „Es ist schmerzhaft, aber er zwingt uns, den Tatsachen ins Auge zu sehen: Wir selbst haben Ihnen diese Stimme genommen. Wir haben Sie in eine Institution für Eliten gesperrt, die von Besserwissern bewacht wird.“ Bach wieder eine Stimme geben – das steht wie ein Motto über dem Programm I’ll be back des Nadar Ensembles. Verschiedene Kompositionen bekommen hier einen Raum, von Bach selbst, aber auch von anderen Komponist:innen, die zum Teil mit Elementen aus diesen spielen und arbeiten. Joanna Bailie etwa knüpft in ihrem Werk an einen Eindruck an, den sie beim Hören der Gigue aus Bachs fünfter Cello-Suite hatte: eine „seltsame Ähnlichkeit“ mit einem altmodischen Zug. Simon Steen-Andersen hat Bachs Capriccio sopra la lontananza del suo fratello dilettissimo für Solo-Rückengitarre bearbeitet, und in Eva Reiters In The Wilderness of mirrors begibt sich der Ostinato-Bass aus Bachs 2. Partita in einen „vielschichtigen musikalischen Spiegelpalast“, wie das Nadar Ensemble schreibt. Die Utopie, die Marlies de Munck antreibt, formuliert sie als Frage: „Wenn wir Ihnen versprechen, Sie aus ihrem teuren Gefängnis herauszulassen, würden Sie dann bitte wieder ein Mensch unter Menschen werden?“ Dieser Abend ist vielleicht ein erster Versuch. (HS)

Uhrzeit

Beginn: 20.09.2024 20:00 Uhr

VERANSTALTUNGSORT

Alte Gießerei, Halle 6
St. Bartlmä 3, 6020 Innsbruck
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Zum Ticketshop

BESCHREIBUNG

NADAR ENSEMBLE
I ́ll Be Back, ÖEA
Musik von Johann Sebastian Bach und Werke von Eva Reiter, Simon Steen-Andersen, Niko D. Schroeder und Joanna Bailie.

Mit „I’ll Be Back“ entwickelt das belgische Ensemble mit dem Pianisten Anthony Romaniuk eine Schnitt- und Trennfläche von einer Klangsprache der Gegenwart hin zur Alten Musik.

“Du bist ein Museumsstück geworden“, schreibt die niederländische Musikphilosophin Marlies de Munck 2019 in einem Brief an „Herrn Bach“, an „Johann“: „Ein Stück, das schön klingt, aber mit dem man nur schwer reden kann. Bitte nicht anfassen.“ Nun instrumentalisiert der ultranationalistische niederländische Politiker Thierry Baudet die Musik Bachs für seine konservative Botschaft: „Er gibt sich als Ihr Retter und als der unserer gesamten Kultur aus. (…) Sie haben keine Stimme mehr, um dagegen zu protestieren, das weiß der Mann sehr gut“, so de Munck. „Es ist schmerzhaft, aber er zwingt uns, den Tatsachen ins Auge zu sehen: Wir selbst haben Ihnen diese Stimme genommen. Wir haben Sie in eine Institution für Eliten gesperrt, die von Besserwissern bewacht wird.“ Bach wieder eine Stimme geben – das steht wie ein Motto über dem Programm I’ll be back des Nadar Ensembles. Verschiedene Kompositionen bekommen hier einen Raum, von Bach selbst, aber auch von anderen Komponist:innen, die zum Teil mit Elementen aus diesen spielen und arbeiten. Joanna Bailie etwa knüpft in ihrem Werk an einen Eindruck an, den sie beim Hören der Gigue aus Bachs fünfter Cello-Suite hatte: eine „seltsame Ähnlichkeit“ mit einem altmodischen Zug. Simon Steen-Andersen hat Bachs Capriccio sopra la lontananza del suo fratello dilettissimo für Solo-Rückengitarre bearbeitet, und in Eva Reiters In The Wilderness of mirrors begibt sich der Ostinato-Bass aus Bachs 2. Partita in einen „vielschichtigen musikalischen Spiegelpalast“, wie das Nadar Ensemble schreibt. Die Utopie, die Marlies de Munck antreibt, formuliert sie als Frage: „Wenn wir Ihnen versprechen, Sie aus ihrem teuren Gefängnis herauszulassen, würden Sie dann bitte wieder ein Mensch unter Menschen werden?“ Dieser Abend ist vielleicht ein erster Versuch. (HS)