Wie fühlt es sich an, in einem System ohne ersichtlichen Grund bevorzugt oder an den Rand gedrängt zu werden? Die Choreografin Emmanuelle Vinh verwandelt das BRUX - Freies Theater Innsbruck in ein lebendiges soziales Labor. Ein immersives Experiment, das theoretische Machtanalysen in unmittelbare körperliche Erfahrung übersetzt.
Offiziell gelten die Regeln in unseren sozialen, politischen und technologischen Systemen für alle gleich. Doch die Realität sieht anders aus: Privilegien, Ausschlüsse und Hierarchien wirken oft unsichtbar, subtil und atmosphärisch im Hintergrund. Mit der
neuen OFFTANZ Produktion „BODIES IN BIAS“ bringt Emmanuelle Vinh am 18. und
19. Juni 2026 ein performatives Erfahrungsfeld in das BRUX, das diese Ungleichheiten
radikal spürbar macht.
Die Architektur als politischer Akteur
„BODIES IN BIAS“ ist kein klassisches Tanzstück, bei dem das Publikum passiv im Dunkeln sitzt. Stattdessen erleben die Besucher*innen eine Reihe von Interaktionen, Licht- und Klangarchitekturen, die Machtverhältnisse aktiv strukturieren. Schon zu Beginn
wird die Gruppe nicht per Wahl, sondern per Zuweisung aufgeteilt – eine Setzung, die Handlungsspielräume und Sichtbarkeiten von vornherein ungleich verteilt.
Denn während einige Teilnehmer*innen über Kopfhörer mit Informationen versorgt werden, verbleiben andere im reinen Raumklang. Es entsteht eine asymmetrische Wissensordnung: Wer Informationen hat, erlangt Orientierung; wer keine hat, bleibt im Unklaren. Manche Personen lösen durch ihre bloße Präsenz Reaktionen aus, andere werden von den Performer*innen systematisch ignoriert. Die Raum- und Klangarchitektur wird hier zum politischen Akteur, der selektiert und Hierarchien erzeugt.
Von Foucault und Luhmann in das Theater
Theoretisch knüpft die Arbeit an prominente Konzepte der Systemtheorie und Machtanalyse an. Vinh übersetzt die soziologischen Überlegungen von Niklas Luhmann, Klaus Eder und Michel Foucault in ein lebendiges, kinetisches System. Foucaults Analyse
von Macht, die durch unsichtbare Mechanismen der Beobachtung und Verteilung von Aufmerksamkeit wirkt, wird hier zur sinnlichen Realität.
Die Performer*innen und das Sounddesign agieren in diesem Gefüge wie feinfühlige Sensoren. Sie reagieren unmittelbar auf Impulse aus dem Raum, auf Geräusche oder die Nähe des Publikums, sodass eine sich ständig verändernde, dichte Atmosphäre entsteht, in der die Grenzen zwischen Agierenden und Zuschauenden verschwimmen. Unsicherheit als produktiver Zustand
Zentrales Element der Performance ist das bewusste Erzeugen von Unsicherheit. Das Publikum weiß nicht, warum es bevorzugt oder übersehen wird.
„Diese Unsicherheit ist kein billiger dramaturgischer Effekt, sondern ein produktiver Zustand“, so Vinh. „Er eröffnet einen Raum, in dem gewohnte Wahrnehmungsmuster hinterfragt werden und Reflexion nicht aus intellektueller Distanz, sondern aus der
eigenen Betroffenheit entsteht.“
Am Ende erlebt jede einzelne Person eine völlig andere Version derselben Performance – und damit eine ganz eigene Facette von Sichtbarkeit oder Unsichtbarkeit. Um die vielschichtigen, divergierenden Erlebnisse aufzufangen, lädt die Produktion im Anschluss
an die Vorstellungen zu Nachgesprächen ein, die einen kollektiven Reflexionsraum für das Innsbrucker Publikum öffnen.
Hinweis zur Vermittlung: Kurz vor der Aufführung erhalten alle Besucher*innen eine kurze
Einführung mit Sicherheitsanweisungen, Informationen zu barrierefreien Zugängen sowie
Hinweisen zum freiwilligen Ausstieg während der Performance
Wie fühlt es sich an, in einem System ohne ersichtlichen Grund bevorzugt oder an den Rand gedrängt zu werden? Die Choreografin Emmanuelle Vinh verwandelt das BRUX - Freies Theater Innsbruck in ein lebendiges soziales Labor. Ein immersives Experiment, das theoretische Machtanalysen in unmittelbare körperliche Erfahrung übersetzt.
Offiziell gelten die Regeln in unseren sozialen, politischen und technologischen Systemen für alle gleich. Doch die Realität sieht anders aus: Privilegien, Ausschlüsse und Hierarchien wirken oft unsichtbar, subtil und atmosphärisch im Hintergrund. Mit der
neuen OFFTANZ Produktion „BODIES IN BIAS“ bringt Emmanuelle Vinh am 18. und
19. Juni 2026 ein performatives Erfahrungsfeld in das BRUX, das diese Ungleichheiten
radikal spürbar macht.
Die Architektur als politischer Akteur
„BODIES IN BIAS“ ist kein klassisches Tanzstück, bei dem das Publikum passiv im Dunkeln sitzt. Stattdessen erleben die Besucher*innen eine Reihe von Interaktionen, Licht- und Klangarchitekturen, die Machtverhältnisse aktiv strukturieren. Schon zu Beginn
wird die Gruppe nicht per Wahl, sondern per Zuweisung aufgeteilt – eine Setzung, die Handlungsspielräume und Sichtbarkeiten von vornherein ungleich verteilt.
Denn während einige Teilnehmer*innen über Kopfhörer mit Informationen versorgt werden, verbleiben andere im reinen Raumklang. Es entsteht eine asymmetrische Wissensordnung: Wer Informationen hat, erlangt Orientierung; wer keine hat, bleibt im Unklaren. Manche Personen lösen durch ihre bloße Präsenz Reaktionen aus, andere werden von den Performer*innen systematisch ignoriert. Die Raum- und Klangarchitektur wird hier zum politischen Akteur, der selektiert und Hierarchien erzeugt.
Von Foucault und Luhmann in das Theater
Theoretisch knüpft die Arbeit an prominente Konzepte der Systemtheorie und Machtanalyse an. Vinh übersetzt die soziologischen Überlegungen von Niklas Luhmann, Klaus Eder und Michel Foucault in ein lebendiges, kinetisches System. Foucaults Analyse
von Macht, die durch unsichtbare Mechanismen der Beobachtung und Verteilung von Aufmerksamkeit wirkt, wird hier zur sinnlichen Realität.
Die Performer*innen und das Sounddesign agieren in diesem Gefüge wie feinfühlige Sensoren. Sie reagieren unmittelbar auf Impulse aus dem Raum, auf Geräusche oder die Nähe des Publikums, sodass eine sich ständig verändernde, dichte Atmosphäre entsteht, in der die Grenzen zwischen Agierenden und Zuschauenden verschwimmen. Unsicherheit als produktiver Zustand
Zentrales Element der Performance ist das bewusste Erzeugen von Unsicherheit. Das Publikum weiß nicht, warum es bevorzugt oder übersehen wird.
„Diese Unsicherheit ist kein billiger dramaturgischer Effekt, sondern ein produktiver Zustand“, so Vinh. „Er eröffnet einen Raum, in dem gewohnte Wahrnehmungsmuster hinterfragt werden und Reflexion nicht aus intellektueller Distanz, sondern aus der
eigenen Betroffenheit entsteht.“
Am Ende erlebt jede einzelne Person eine völlig andere Version derselben Performance – und damit eine ganz eigene Facette von Sichtbarkeit oder Unsichtbarkeit. Um die vielschichtigen, divergierenden Erlebnisse aufzufangen, lädt die Produktion im Anschluss
an die Vorstellungen zu Nachgesprächen ein, die einen kollektiven Reflexionsraum für das Innsbrucker Publikum öffnen.
Hinweis zur Vermittlung: Kurz vor der Aufführung erhalten alle Besucher*innen eine kurze
Einführung mit Sicherheitsanweisungen, Informationen zu barrierefreien Zugängen sowie
Hinweisen zum freiwilligen Ausstieg während der Performance