MARTIN WALDE
über tragen
07.09. - 31.10.26 MO – FR 09.30 – 18.00
Die Schnittstelle zwischen paläontologischer Forschung und gesellschaftlicher Projektion steht im Mittelpunkt der Ausstellung „über tragen“. Kernstück der Schau ist das mysteriöse kambrische Urzeittier Hallucigenia, dessen kulturelle Metamorphose der Künstler seit 1986 intensiv begleitet und gestalterisch erforscht. Neben einer Auswahl an skulpturalen Skizzen und sequentiellen Zeichnungen, präsentiert die Ausstellung eine Glas-Plasma-Skulpturen des fossilen Wesens.
Vom wissenschaftlichen Rätsel zum Popkultur-Phänomen
Als der Paläobiologe Simon Conway Morris das bizarre Wesen aus dem Burgess-Shale-Fossilienlager 1977 taufte und zeichnerisch rekonstruierte, existierte Hallucigenia zunächst nur in Fachkreisen. Die damalige Annahme, das Tier habe sich auf Stacheln fortbewegt, faszinierte den Künstler so nachhaltig, dass er 1986 die vermutlich weltweit erste dreidimensionale Modell-Skulptur des Wesens schuf.
Da verlässliche Informationen über das tatsächliche Aussehen des Urzeittieres lange fehlten, entwickelte sich Hallucigenia außerhalb der Labore schnell zum Projektionsfläche. Wissenschafts-Laien und die Populärkultur füllten die Leerstellen mit bekannten Mustern: Das Wesen wurde visuell mit Elementen von Tieren, Drachen, Einhörnern oder Aliens besetzt. Diese populärwissenschaftlichen Mythen spiegelten sich im Laufe der Jahre sogar in der Wissenschaft wider. Heute schließt sich der Kreis in der globalen Popkultur: Im Jahr 2021 fand Hallucigenia Einzug in den weltbekannten Manga- und Anime-Erfolg „Attack on Titan“ – dort symbolisch aufgeladen als „Quelle allen organischen Lebens“.
Die Metamorphose des Unbekannten
Die Ausstellung wirft die Frage auf, inwieweit der Mensch das Unbekannte nutzt, um sich selbst darin auszudrücken und einer Leere eine Gestalt zu geben. Die in „über tragen“ gezeigte Glas-Plasma-Arbeit visualisiert dieses Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichem Fakt und mythologischer Projektion. Begleitend veranschaulichen weitere Exponate die komplexen, Prozesse von der ersten gedanklichen Notation bis hin zur Skulptur.
Martin Walde (1957 in Innsbruck) zählt zu den prägnanten Positionen der österreichischen Gegenwartskunst. Nach seinem Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien unter Wolfgang Hollegha, Max Weiler und Arnulf Rainer entwickelte er eine künstlerische Sprache, die konsequent an den Übergängen zwischen Objekt, Prozess und Wahrnehmung arbeitet. Walde nutzt eine breite Palette an Materialien – von Glas und Latex bis hin zu instabilen oder flüchtigen Stoffen – und schafft Werke, die sich immer wieder verändern, reagieren oder in einen Dialog mit dem Publikum treten.
Im Zentrum seiner künstlerischen Forschung steht das Verhalten von Materialien und der Moment der Transformation. Viele seiner Arbeiten entstehen im Spannungsfeld zwischen kontrollierter Gestaltung und unvorhersehbarer Entwicklung, wodurch sie den Betrachter aktiv in das Werkgeschehen einbeziehen. Zeichnung, Objekt, Installation und Video greifen in seinem Œuvre häufig ineinander und überschreiten bewusst klassische Gattungsgrenzen.
Walde stellte international in renommierten Institutionen aus und war unter anderem auf der documenta X sowie mehrmals auf der Biennale di Venezia vertreten. Sein Werk wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter der Otto-Mauer-Preis, der Preis der Stadt
Wien für Bildende Kunst, der Tiroler Landespreis für zeitgenössische Kunst sowie der Österreichische Kunstpreis für Bildende Kunst.
Heute lebt und arbeitet Martin Walde in Wien.
Seine Arbeiten sind in internationalen Sammlungen vertreten und gelten als markante Beiträge zu einer Kunst, die Material, Prozess und Wahrnehmung neu verhandelt.
MARTIN WALDE
über tragen
07.09. - 31.10.26 MO – FR 09.30 – 18.00
Die Schnittstelle zwischen paläontologischer Forschung und gesellschaftlicher Projektion steht im Mittelpunkt der Ausstellung „über tragen“. Kernstück der Schau ist das mysteriöse kambrische Urzeittier Hallucigenia, dessen kulturelle Metamorphose der Künstler seit 1986 intensiv begleitet und gestalterisch erforscht. Neben einer Auswahl an skulpturalen Skizzen und sequentiellen Zeichnungen, präsentiert die Ausstellung eine Glas-Plasma-Skulpturen des fossilen Wesens.
Vom wissenschaftlichen Rätsel zum Popkultur-Phänomen
Als der Paläobiologe Simon Conway Morris das bizarre Wesen aus dem Burgess-Shale-Fossilienlager 1977 taufte und zeichnerisch rekonstruierte, existierte Hallucigenia zunächst nur in Fachkreisen. Die damalige Annahme, das Tier habe sich auf Stacheln fortbewegt, faszinierte den Künstler so nachhaltig, dass er 1986 die vermutlich weltweit erste dreidimensionale Modell-Skulptur des Wesens schuf.
Da verlässliche Informationen über das tatsächliche Aussehen des Urzeittieres lange fehlten, entwickelte sich Hallucigenia außerhalb der Labore schnell zum Projektionsfläche. Wissenschafts-Laien und die Populärkultur füllten die Leerstellen mit bekannten Mustern: Das Wesen wurde visuell mit Elementen von Tieren, Drachen, Einhörnern oder Aliens besetzt. Diese populärwissenschaftlichen Mythen spiegelten sich im Laufe der Jahre sogar in der Wissenschaft wider. Heute schließt sich der Kreis in der globalen Popkultur: Im Jahr 2021 fand Hallucigenia Einzug in den weltbekannten Manga- und Anime-Erfolg „Attack on Titan“ – dort symbolisch aufgeladen als „Quelle allen organischen Lebens“.
Die Metamorphose des Unbekannten
Die Ausstellung wirft die Frage auf, inwieweit der Mensch das Unbekannte nutzt, um sich selbst darin auszudrücken und einer Leere eine Gestalt zu geben. Die in „über tragen“ gezeigte Glas-Plasma-Arbeit visualisiert dieses Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichem Fakt und mythologischer Projektion. Begleitend veranschaulichen weitere Exponate die komplexen, Prozesse von der ersten gedanklichen Notation bis hin zur Skulptur.
Martin Walde (1957 in Innsbruck) zählt zu den prägnanten Positionen der österreichischen Gegenwartskunst. Nach seinem Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien unter Wolfgang Hollegha, Max Weiler und Arnulf Rainer entwickelte er eine künstlerische Sprache, die konsequent an den Übergängen zwischen Objekt, Prozess und Wahrnehmung arbeitet. Walde nutzt eine breite Palette an Materialien – von Glas und Latex bis hin zu instabilen oder flüchtigen Stoffen – und schafft Werke, die sich immer wieder verändern, reagieren oder in einen Dialog mit dem Publikum treten.
Im Zentrum seiner künstlerischen Forschung steht das Verhalten von Materialien und der Moment der Transformation. Viele seiner Arbeiten entstehen im Spannungsfeld zwischen kontrollierter Gestaltung und unvorhersehbarer Entwicklung, wodurch sie den Betrachter aktiv in das Werkgeschehen einbeziehen. Zeichnung, Objekt, Installation und Video greifen in seinem Œuvre häufig ineinander und überschreiten bewusst klassische Gattungsgrenzen.
Walde stellte international in renommierten Institutionen aus und war unter anderem auf der documenta X sowie mehrmals auf der Biennale di Venezia vertreten. Sein Werk wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter der Otto-Mauer-Preis, der Preis der Stadt
Wien für Bildende Kunst, der Tiroler Landespreis für zeitgenössische Kunst sowie der Österreichische Kunstpreis für Bildende Kunst.
Heute lebt und arbeitet Martin Walde in Wien.
Seine Arbeiten sind in internationalen Sammlungen vertreten und gelten als markante Beiträge zu einer Kunst, die Material, Prozess und Wahrnehmung neu verhandelt.